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Über mich, meine Wohnsituation und Kontaktmöglichkeiten

In diesem Beitrag möchte ich mich kurz (!) für Jene, die mich nicht oder kaum kennen, vorstellen. Außerdem werde ich die grundsätzlichen Lebensumstände für mich, sprich meine Wohnsituation, Hausarbeit und Ähnliches, schildern. Dazu habe ich auch einige Fotos hochgeladen, die natürlich wesentlich besser als Worte beschreiben können. Zu guter Letzt werde ich hier meine Adresse für eventuellen Briefkontakt, über den ich mich natürlich immer freue, veröffentlichen.

Über mich:
Bastian Gabrielli, *16.2.89 Bonn, bis 2008 Ernst Moritz Arndt Gymnasium Bonn, danach mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ein Freiwilliges Soziales Jahr in Kiew, Ukraine. Seit September 2010 in der Karaseco, Tansania. Seit ein paar Jahren aktives Mitglied von Amnesty International, passives Mitglied der Deutschen Burgenvereinigung (für Denkmalschutz) und seit nun fast einem Jahr zudem in der Grünen Jugend (semiaktiv).
Soviel zu den Eckdaten. Wer mehr erfahren möchte, kann mich gerne kontaktieren, ich möchte nur ungern meine ganze Biographie im Internet preisgeben.

Über meine Wohnsituation:
Ich lebe derzeit in einem „Lehrerhaus“ auf dem Gelände der Karaseco. Das heißt, dass ich im Prinzip wie die angestellten Lehrer, die auch allesamt ihr Haus im Internatsbereich haben, wohne. Jedoch bin ich in meinem Haus allein, da hier derzeit keine weiteren Freiwilligen sind. Somit habe ich sehr viel Platz – davon abgesehen ist die Wohnsituation aber eher spartanisch. Ein kurzes Lexikon zu den entscheidenden Aspekten:

Ameisen …sind gern gesehene Gäste, da sie mein Haus von toten Insekten reinigen.

Dach …habe ich. Ist, glaube ich, aus Wellblech und extrem laut bei Starkregen.

Doppelhaushälfte …beschreibt mein Haus am besten. Ich habe eine Lehrerfamilie als direkte Nachbarn.

Dusche …gibt es, funktioniert aber nicht. Meine faktische Dusche besteht daher aus einer Schüssel und einer Kanne.

Essen …gibt es werktags von der Schule gestellt, zumindest Frühstück und Mittagessen. Morgens gibt es in der Regel zwei Chapati (ähnlich unseren Pfannkuchen, aber auf Wasserbasis, ohne Ei und mit sehr sehr sehr viel Öl) und einen Tee auf Milchbasis. Mittags gibt es Reis mit Bohnen. Jeden Tag. Immer. Außer einmal die Woche – dann gibt es Ugali (eine Art Brei, relativ geschmacksarm) mit Bohnen. Letzten Endes bestimmen aber die Bohnen den Geschmack, weshalb die Frage ob Reis oder Ugali relativ egal ist. Von daher hängen mir die Bohnen schon jetzt zum Hals raus. Aber einem geschenktem Gaul schaut man bekanntlich nicht in’s Maul… In Eigenregie ergänze ich die Mahlzeiten gerne mal zuhause in dem ich mir einfach ein paar Bananen oder Tomaten mit Salz zu Gute führe. Abends gibt es bei meinem Mentor stets die gleiche Soße, die aber immerhin irgendwo Geschmack hat, und außerdem variieren dazu Reis, Ugali, Nudeln, Kartoffeln und Kochbananen, ergo gibt es dort genug Abwechslung.

Fließend Wasser …gibt es derzeit nicht. Die Wasserleitungen werden durch Regen gepeist, da jedoch zuletzt Trockenzeit war, kommt aus den Hähnen nicht mal heiße Luft. Ist aber halb so wild, keine zehn Meter von meiner Haustür steht ein riesiger Tank, von dem ich immer Wasser via Eimer holen kann. Meistens mache ich das morgens, bevor ich mich ‚dusche‘. Hat es am Vortag heftig geregnet, was jetzt zu Beginn der Regenzeit langsam zunimmt, habe ich auch fließend Wasser, allerdings nur sehr begrenzt und die eigentlich eingebaute Dusche funktioniert dann trotzdem nicht.

Garten …habe ich. Allerdings ist er frei zugänglich, die Vorstellung eines Privatgrundstücks, die in Deutschland existiert, ist hier eher fremd. Bald werde ich versuchen, einige Pflanzen auszusäen. Mitgebracht habe ich dafür unter anderem Samen von Sonnenblumen, Salat, Schnittlauch und als Mückenabschreckung Lavendel, wobei ich mir nicht sicher bin, ob dieses alte Hausmittel wirklich wirkt.

Geckos …und Eidechsen sind überall in Hülle und Fülle. Sie fressen die vielen Insekten und werden hin und wieder von einem Vogel selbst gefressen. Besonders faszinierend und gut für erschreckende Momente sind die Eidechsen, die bekannt dafür sind, ihren noch lange zappelnden Schwanz abwerfen zu können, um Raubtiere zu verwirren. Wenn sich so eine Echse von einer zugeschlagenen Tür fürchtet, fällt einem ein solcher Schwanz schonmal von der Decke auf die Hand, was, wenn man nicht damit rechnet, zwar nicht verwirrt, aber gehörig überrascht.

Herd …habe ich. Ein Holzkohleherd, in meiner Küche eingebaut. Es erinnert mich stark an eine Burgküche und ich bin daher etwas seinem Charme erlegen.

Hühner …laufen auf dem Schulgelände frei rum und besuchen mich regelmäßig.

Hunde …werden nicht gehalten, aber es laufen einige wenige frei herum. Diese sind jedoch ungefährlich und haben Angst vor den Menschen. Dennoch haben sie mir den größten Schrecken bisher eingejagt. Ich ging in der Dunkelheit, die die Hand vor Augen verbarg, über einen Weg und hörte plötzlich wie etwas auf mich zurannte. Im nächsten Moment sprangen aus der Schwärze zwei Hunde hervor – und liefen an mir vorbei um sich weiter zu balgen.

Innenhof …macht einen wichtigen Teil meines Hauses aus. In meinem überdachten Innenhof ist es stets dunkel, aber dafür auch schattig und trocken. Auf der einen Seite des Hofes führt eine Tür zu Wohnzimmer und zwei Schlafzimmern. Auf der anderen Seite liegen Bad, Küche und Vorratskammer. Vom Innenhof führt auch eine Tür direkt nach draußen.

Internet …kann ich jederzeit im IT-Büro nutzen – theoretisch. Praktisch nur wenn die Bibliothek geschlossen ist. Denn in der Bibliothek sind die drei internetfähigen Computer, die die Schüler nutzen können. Was sie bei jeder Gelegenheit auch machen, und zwar mit exzessiven Downloads, die die gesamte Bandbreite auffressen. Die Bibliothek hat gewöhnlich Montag bis Samstag von ca 7.30 bis 17.30 Uhr auf – mit unregelmäßigen Pausen, über die ich mich sehr freue.

Kissen …habe ich keines. Ich könnte jedoch ohne Probleme eines kaufen, aber irgendwie passt es so schön in das spartanische Leben, ohne Kissen zu schlafen.

Kochen …könnte ich theoretisch, wenn ich denn Geschirr, Töpfe und Pfannen hätte. Zwar haben meine Vorgänger entsprechenden Hausrat zurückgelassen (was sollten sie auch Töpfe nach Deutschland einführen), allerdings wurde das von irgendjemanden eingesackt, so dass ich derzeit ohne die Möglichkeit bin, zu kochen. Das Überleben ist aber dennoch leicht, Frühstück und Mittagessen werden von der Schule gestellt (siehe Essen), zum Abendessen bin ich immer bei meinem Mentorlehrer eingeladen. Wobei auch schon andere eine Essenseinladung angekündigt haben.

Kühlschrank …absolut selten in Tansania. Habe ich daher natürlich nicht.

Mangobaum …steht in meinem Garten. Ist allerdings von den Schülern schon ziemlich kahlgefuttert.

Möbel …zwei Betten, drei Nachttische, ein Esstisch, drei Stühle, ein in die Wand eingebauter Kleiderschrank. Völlig ausreichend, dennoch sieht das Haus sehr leer aus.

Moskitonetz …habe ich ein schmuddeliges in meinem Kleiderschrank gefunden, das ich aber nicht so recht benutzen mag. Müsste auch erst Haken in die Wand schlagen. Und bisher habe ich zwar viele Moskitos erschlagen und einige Stiche ertragen müssen, doch die Malaria blieb aus. Letzten Endes lassen sich hier Mückenstiche eh kaum vermeiden.

Nachbarn …sind auf der einen Seite Lehrer, auf der anderen Seite eine Baracke der Jungen. Mein Haus stellt somit den Übergang von Schülerunterkunftsbereich zu Lehrerhaussiedlung dar.

Sicherheit …ist gewährleistet. Die Gegend ist ruhig und eher abgeschieden. Zusätzlich beschäftigt die Schule mehrere Wachmänner, die rund um die Uhr auf das Gelände aufpassen.

Spinnen …sind Mitbewohner, aber weit harmloser, als manch einer vermuten würde. Abgesehen von einigen Weberknechten wohnen in erster Linie kleine Springspinnen in meinem Innenhof.

Strom …ist mein größter Luxus. Hin und wieder gibt es Stromausfälle, davon abgesehen jedoch funktioniert die Versorgung zuverlässig. Das System ist etwas gewöhnungsbeürftg: In einer Bank wird der Strom mit einer Karte auf den eigenen Stromzähler aufgeladen, ein Prepaidsystem also. Die Bank ist so gute 12 km entfernt, Planung ist also angesagt – zumal sie am Wochenende nicht nennenswert geöffnet hat. Danke an dieser Stelle an meinen Mitfreiwilligen Malin, desen Projekt im Ort der Bank ist und der in meinem Auftrag meinen Strom aufgeladen hat. 280 Kilowatt dürften für das Jahr reichen.

Toilette …ist etwas altmodisch und zwingt dazu, sich hinzuhocken. Keine Sitztoilette.

Warmes Wasser …gibt es natürlich nicht.

Waschmaschine …gibt es natürlich nicht. Gewaschen wird wie in jedem tansanischen Haushalt mit der Hand.

Ziegen …laufen auf dem Schulgelände frei rum und besuchen mich regelmäßig. Wird interessant, wenn ich versuche, meinen Salat anzupflanzen.

Das waren erstmal einige Infos aus meinem Leben hier. Wer mehr wissen möchte, dem beantworte ich gerne weitere Fragen.

Meine Kontaktdaten:
Bastian Gabrielli
Karagwe Secondary School
P.O. Box 87, Karagwe, Kagera
Tanzania

basgabr(at)gmx.de

Fotos meines Hauses:


Meine Haushälfte (rechts). Das rechte Fenster ist mein Schlafzimmer, links daneben das Gästezimmer. Tür und linkes Fenster führen ins Wohnzimmer.


Meine Terrasse. Bei Regen sammelt sich hier das Wasser.


Blick von der Terasse auf den Garten und den Weg, der von den Unterrichtsgebäuden zu den Wohnhäusern führt.


Wohnzimmer (erster Teil). Hier sitze ich, wenn ich zuhause bin. Das Fenster ist zum Innenhof ausgerichtet.


Wohnzimmer (zweiter Teil). Zwei der Nachttische habe ich zusammen ins Wohnzimmer gestellt, um sie dort als Regla zu nutzen.


Mein Bett.


Der Innenhof. Das Waschbecken nutze ich auch zum Zähne putzen, rasieren etc.


Meine Dusche.


Meine Toilette.


Meine romantische (und gesundheitsschädliche) Burgküche.

Über artefact und solivol

Neben einem konkreten Projektpartner vor Ort, in meinem Fall die Karaseco, geht ein Freiwilliger im Rahmen des weltwärts Programmes auch einen Vertrag mit einer Entsenderorganisation ein. Diese heißt bei mir artefact und ist eine gGmbH – das mag jetzt erstmal nach einem Unternehmen klingen. Ist es auch, allerdings ist das ‚g‘ vor GmbH ein entscheidener Unterschied zu profitorientierten Firmen, steht es doch für ‚gemeinnützig‘. In der Praxis bedeutet dies, dass artefact nicht gewinnorientiert, sondern projektorientiert arbeitet. Im Gegensatz zu Vereinen darf artefact Geld erwirtschaften, muss dieses aber für seine konkreten, gemeinnützigen Ziele einsetzen.

Bei artefact sind diese Ziele die Förderung von Nachhaltigkeit und der Schutz endlicher Ressourcen. Konkret bedeutet das, dass sich die gGmbH beispielsweise für Wind- und Wasserkraft, Solarenergie, aber auch Lehm als Baustoff und alternative Recyclingmethoden einsetzt. Ein Ort, an dem zahlreiche Möglichkeiten für die Nutzung solcher Aspekte zu besichtigen sind, stellt der sogenannte „Powerpark“ auf dem Gelände artefacts in Glücksburg an der Ostsee (Schleswig-Holstein) dar. Dabei handelt es sich um eine Art Freilicht- und Erlebnismuseum, in dem unterschiedlichste regenerative Energiequellen ausgestellt sind, die in Modellform auch ausprobiert werden können. Darüber hinaus bietet der Park auch Einblick in andere Arbeitsbereiche artefacts, so lässt sich Gewinnung und Verwendung von Lehmziegeln ebenso nachvollziehen wie etwa das Afrikahaus einen kleinen Eindruck entfernter Welten gibt.

Denn das ist einer der wichtigsten Erfolgsindikatoren für artefact: der Technologietransfer in Entwicklungsländer. Hierfür versucht sich das Unternehmen in Lobbyarbeit, die neben Öffentlichkeitsarbeit vor allem von Vorträgen, Seminaren und Fortbildungen, auch für internationale Gruppen, bewerkstelligt wird. Ein weiterer Arbeitszweig ist das Programm solivol.

Solivol ist der weltwärts-Ableger artefacts. In keinem anderen Bereich wird das Unternehmensmotto „globales Lernen und lokales Handeln“ so praktisch umgesetzt wie hier. Der Name „solivol“ setzt sich aus „solar“ und „volunteer“ zusammen und beschreibt damit das Programm sehr treffend. Die ausgesuchten Partnerprojekte stehen stets im Kontext zu Umweltthemen, meist regenerative Energien. Die Partner vor Ort werden sorgfältig und durch persönliche Besuche ausgewählt. Diese Auswahl ist sehr wichtig, da das gemeinnützige Unternehmen naturgemäß nur beschränkte Geldmittel zur Verfügung hat und es gleichzeitig viele afrikanische interessierte Schulen und NGOs gibt. Artefact besitzt viele Kontakte nach Ostafrika, weshalb auch nur in diese Region ensandt wird. Solivol ist noch recht jung, erst 2008 ging es an den Start. Zur Zeit sind etwa 20 Freiwillige aufgeteilt auf die Länder Ruanda, Uganda, Kenia und Tansania im Einsatz.

Zu großen Teilen muss artefact die entstehenden Kosten durch Spenden finanzieren. Möglichkeiten, das Unternehmen auf diese Art zu unterstützen, werden auf der Webseite beschrieben.

Weitere Informationen:
www.artefact.de
www.solivol.org

Über die Karagwe Secondary School

Auf einem Hügel umringt von Bergen und Bananenplantagen liegt die Karagwe Secondary School, kurz Karaseco. Als lutheranisches Internat genießt sie in einer christlich geprägten Region einen sehr guten Ruf und ist in den umliegenden Dörfern, die gemeinsam den Ort Karagwe bilden, weit bekannt. Karaseco ist nicht nur eine weiterführende Schule, auf der ein dem Abitur änlicher Abschluss erreicht werden kann, sondern auch ein Internat, in dem die rund 600 Schüler lernen, essen und schlafen. Abgesehen von einigen sportlichen Aktivitäten bilden diese drei Aspekte ihr Leben während der Schulzeit, die Ferien einmal ausgenommen. Dies ist jedoch freilich ein priviligiertes Leben, denn nur etwa fünf Prozent der Tansanier besuchen eine weiterführende Schule. Das hängt mit der Schulpflicht, die nach der Primary School endet, den Kosten, die eine durchschnittliche tansanische Familie kaum aufbringen kann, und der Unterrichtssprache Englisch, die viele Kinder erst erlernen müssten, zusammen. Der gute Ruf Karasecos schlägt sich dann auch in den Internatskosten nieder. 700.000 Schilling kostet es im Jahr, sein Kind hierhin zu schicken, was umgerechnet und grob überschlagen 350 Euro sind. In diesem Preis sind neben Unterricht und Unterkunft auch Verpflegung und Sportangebot enthalten. Daher wäre es übertrieben, diese Summe als teuer zu bezeichnen. Ebenso trifft es nicht zu, dass Karaeco eine Schule der besonders Reichen wäre. Trotzdem ist soviel Geld für die meisten Tansanier nicht zu bezahlen. Die rund 25 Lehrer an der Karaseco verdienen etwa 300.000 Schilling, also 150 Euro, im Monat. Davon gehen jedoch noch Steuern und Abgaben ab, die, je nach Region, das Gehalt nochmal halbieren können. Man muss kein Mathegenie sein, um zu errechnen, dass mit 100 Euro Monatslohn, um eine Familie zu versorgen, 350 Euro Jahreskosten ein hoher Betrag ist.

Zusammengefasst: ein privates Internat, das der überwiegenden Mehrheit der Einheimischen aus Kostengründen verschlossen bleibt – ist es nicht seltsam, ausgerechnet dort einen Freiwilligendienst, der ja in entwicklungsfördernden Projekten stattfinden soll, zu leisten?
Diese Frage kann ich jetzt noch nicht beantworten. Eine meiner Aufgaben hier wird es auch sein, zu bewerten, inwieweit es empfehlenswert erscheint, einen Nachfolger für mich zu suchen. Grundsätzlich bieten Möglichkeiten wie die Gründung und Leitung von Umweltclubs, die die Schüler für Themen wie Umweltverschmutzung und Globale Erwärmung sensibilisieren könnten, Chancen, als Freiwilliger sinnvoll zu arbeiten und Aspekte der Nachhaltigkeit nachhaltig, denn nichts ist einprägender als eine frühe Konfrontation in Kindes- oder Jugendalter, vor Ort zu etablieren oder zu festigen. Eine entscheidene Frage wird also sein, ob ein Freiwilliger hier sinnvoll eine solche Arbeit leisten kann. Eine weitere Unklarheit besteht in dem Problem, dass durch mich eventuell eine Lehrerstelle wegfällt. Für die Karaseco bin ich in erster Linie hier, um IT zu unterrichten. Das könnte aber in der Tat genauso gut und auch besser ein tansanischer Lehrer machen. Spart die Schule durch die kostenfreie Arbeit eines Deutschen das Gehalt für eine lokale Lehrerkraft und fällt dadurch ein Arbeitsplatz weg? Sollte sich dieser Konflikt als gegeben herausstellen, werde ich, ganz gleich sonstiger Erfahrungen, mich gezwungen sehen, von einer weiteren Besetzung der Freiwilligenstelle bei Karaseco abzuraten.

Festzuhalten bleibt also, dass meine Arbeit in der Karaseco nicht nur aus dem direkten Unterricht, sondern mindestens ebenso aus Beobachtung und Bewertung besteht.

Über das Programm „weltwärts“

Schon lange bevor es das 2007 eingeführte Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) mit dem Namen „weltwärts“ auch nur als Entwurf in irgendwelchen Schubladen steckte, gab es in der neugegründeten BRD junge Menschen, die aus unterschiedlichsten Motiven für einige Monate ins Ausland wollten. Unter diesen war auch nicht selten der Wunsch, etwas Gutes zu leisten, mitbestimmend – insbesondere unter dem Gesichtspunkt des zum damaligen Zeitunkt erst kürzlich zu Ende gegangenem Zweiten Weltkriegs und der Shoa. So gründete sich beispielsweise auch die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, die bis heute Freiwillige an lokale Projekte in Ländern, die im Krieg unter Deutschland gelitten haben, entsendet.

Während also der Wunsch nach Frieden, Aussöhnung und interkulturellem Verständnis schon zu dieser Zeit wichtige Beweggründe für die Entscheidung einen Freiwilligendienst zu beginnen waren, legte die Politik 1956, 5 Jahre nach der Gründung der BRD, den Grundstein für ein ganz anderes Motiv, das für Männer in den kommenden Jahrzehnten eine große Rolle spielen sollte: Durch die Einführung der sogenannten allgemeinen Wehrpflicht entstand auch der Bedarf nach Alternativen.

Wer heute etwa keine Lust hat, der Wehrpflicht Folge zu leisten, kann neben dem klassischen Zivildienst auch eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten erwägen, um eben nicht zum Militär zu müssen. Darunter zahlreiche Bezeichnungen wie „Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland“, „Europäischer Freiwilligendienst“ oder „Anderer Dienst im Ausland“, hinter denen sich letzlich immer nur eines verbirgt: ein Freiwilligenjahr im Ausland. Da im letzten Jahrzehnt die Option, ein solches anzutreten, immer populärer und von vielen Abiturienten auch als eine Chance, etwas ganz neues zu erfahren, gesehen wurde, stiegen die Zahlen von Bewerbern und Interessenten immer weiter an.

Daher beschloss das BMZ das Projekt „weltwärts“ zu starten. Dieses stellt ein Stipendium dar, mit dem einer wachsenden Zahl junger Menschen eine solche Erfahrung ermöglicht werden soll. 75% der Kosten, die durch ein solches Jahr entstehe, übernimmt das Ministerium. Die übrigen 25% muss die Entsendeorganisation (beispielsweise artefact oder Aktion Sühnezeichen) übernehmen. Dabei ist es üblich und im Programm weltwärts auch vorgesehen, dass der Freiwillige einen Spenderkreis aufbaut, der gezielt für ihn und sein Projekt bis zu 150 Euro im Monat beisteuert. Mittelfristig möchte das BMZ auf diese Art 10.000 Freiwillige pro Jahr fördern. Und in dieser Zahl liegt auch einer der kritischen Punkte des Programms. weltwärts setzt leider weit mehr auf Quantität als auf Qualität. An die Freiwilligen werden nahezu keine Bedingungen gestellt, optionale Kenntnisse und Auswahl bleiben der Entsenderorganisation überlassen. Viele dieser Organisationen jedoch setzen ebenfalls mehr auf Masse als auf Klasse, was zur Folge hat, dass leider mehrere Jugendliche einen solchen Dienst antreten, deren Eignung durchaus angezweifelt werden darf. So fördert beispielsweise die Tatsache, dass bei der zukünftigen Jobsuche ein Jahr Auslandserfahrung hoch angerechnet wird, eine wachsende Gruppe Programmteilnehmer, deren Motiv die Verbesserung des eigenen Lebenslaufes ist. Gleichzeitig gibt es andere Freiwillige, die ihre Fähigkeiten scheinbar maßlos überschätzen. Hier ist auch eines der formulierten Ziele des BMZ, nämlich in Entwicklungsländern „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten – wie ja generell die Entwicklungshilfe gerne umschrieben wird –, mit Freiwilligen ohne spezielle Fachkenntnisse kaum durchsetzbar, irreführend. Dadurch werden teilweise nicht nur den Jugendlichen sondern auch den Projekten vor Ort falsche Eindrücke und Kompetenzen vermittelt.

Weitere Ziele des BMZ sind dagegen realistischer: interkultureller Austausch, Lernen, Intoleranz und Rassismus vorbeugen. Wobei hier wiederum gefragt werden darf, ob jene, die als Freiwillige in Entwicklungsländern arbeiten wollen, wirklich die Risikogruppe für Rassismus sind.
Insgesamt jedenfalls ist das Programm eine sehr gute Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern und im Kleinen auch seinen Teil dazu beizutragen, förderungswürdige Projekte in Entwicklungsländern voran zu treiben – wenn auch nicht ernsthaft Entwicklungshilfe zu leisten –, sofern einigermaßen geeignete Freiwillige von der entsprechenden Entsenderorganisation ausgewählt werden.

Weitere Informationen finden sich unter:
www.weltwärts.de